Behandlungsansatz

In meiner Praxis werde ich seit vielen Jahren immer wieder von Frauen konsultiert, die aufgrund ihrer HPV-Infektion schon einen sehr langen Leidensweg hinter sich haben. Während der Großteil aller Patientinnen nach einer chirurgischen Therapie einer Vorkrebserkrankung des Genitaltraktes auch die HPV-Infektion überwindet, bleibt bei einem Teil der Patientinnen die HPV-Infektion bestehen. Dadurch entwickeln sich dann häufig Rezidive, nicht selten gleichzeitig an den unterschiedlichsten Stellen, wie der Scheide, des Scheideneinganges, des Gebärmutterhalses und des Analkanals. Diese sogenannten „HPV-Opfer“ haben zum Teil schon viele Operationen im Genitalbereich mit einer beträchtlichen Verstümmelung hinter sich.

Die Alternative

Im Jahr 2008 habe ich für diese sehr belasteten Patientinnen begonnen, ein Behandlungskonzept zu entwickeln, das es erlaubt, den Wirkstoff Imiquimod in der Scheide auf sichere und nebenwirkungsarme Weise anzuwenden. Imiquimod wurde zuvor im Einsatz gegen Vorkrebserkrankungen (Dysplasien) des Analkanals (AIN) und des Scheideneingangs (VIN) erprobt. Ich habe mittlerweile viele Patientinnen auf diese Weise behandelt und der Behandlungserfolg übertrifft alle Erwartungen. Die allerersten zwölf Patientinnen hatten im Schnitt über drei Operationen hinter sich. In der Krankengeschichte fanden sich am häufigsten Konisationen und Gebärmutterentfernungen wegen immer wieder auftretender CIN, gefolgt von Operationen am Scheideneingang wegen VIN, in der Scheide wegen VAIN und am seltensten im Analkanal wegen AIN. Die Behandlung der Vorkrebserkrankung war bei acht dieser ersten zwölf Patientinnen erfolgreich und bei neun von zwölf Patientinnen war auch der HPV-Test nach dem Behandlungszyklus negativ geworden und die Infektion somit überwunden.

Die zugrundeliegende Ursache für diese vielen Operationen war die Tatsache, dass das Immunsystem dieser Patientinnen die anhaltende HPV-Infektion nicht ausreichend bekämpfen und überwinden konnte. An diesen ersten zwölf Patientinnen konnte ich zeigen, dass es gelungen war, mit Hilfe von Imiquimod dem Immunsystem dieser sehr speziellen Patientinnengruppe zu helfen, nicht nur die Vorkrebserkrankung aus eigener Kraft erfolgreich zu bekämpfen, sondern auch die HPV-Infektion zu überwinden.

Exzellente Wirksamkeit

Im Anschluss an diese ersten Erfolge behandelte ich auch Patientinnen mit weniger schwerwiegenden Erkrankungen, etwa jene, bei denen nach ihrer Konisation die HPV-Infektion noch immer nachweisbar war. Die Wirksamkeit der Therapie erwies sich weiter als exzellent und das Nebenwirkungsprofil als durchaus akzeptabel. Es stellte sich heraus, dass bei etwa 80% aller Patientinnen die HPV-Infektion durch die Therapie überwunden und die Vorkrebserkrankung erfolgreich behandelt werden kann.

Um diese Ergebnisse aus meiner Ordination wissenschaftlich abzusichern, begann ich 2009 gemeinsam mit meinen Mitarbeitern der klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien (MUW) eine wissenschaftlichen Studie. Patientinnen mit CIN 2 und CIN 3 wurden mit einer lokalen Anwendung von Imiquimod behandelt, mit dem Ziel einen chirurgischen Eingriff zu verhindern. Nach 16-wöchiger Behandlung verbesserte sich bei 75% der Patientinnen der Befund derartig, dass auf einen chirurgischen Eingriff verzichtet werden konnte. Bei 46% kam es zu einer Komplettheilung und bei zusätzlichen ca. 30% verbesserte sich der Befund auf eine CIN 1. Durch die Therapie konnte das Immunsystem der Patientinnen so verbessert werden, dass die HPV-Infektion überwunden werden konnte und der Virus nicht mehr nachweisbar war.

Die Ergebnisse sind in dem US-Amerikanischen Topjournal “Obstetrics and Gynaecology” publiziert und vom weltweit anerkannten Forscher William C. Dodson, MD kommentiert und herausgehoben worden. Die Publikation selbst finden Sie hier (Paper, PDF).

Weitere Alternativen

Kryotherapie

Als Kryotherapie bezeichnet man den gezielten Einsatz von Kälte, um einen therapeutischen Effekt zu bewirken. Am Gebärmutterhals kommt hier flüssiger Stickstoff zum Einsatz. Dabei wird ein Applikator (Metallkappe) mit der Oberfläche des Gebärmutterhalses in Kontakt gebracht und ca. 40 bis 50 Sekunden flüssiger Stickstoff durch diesen Applikator geleitet. Dies führt dazu, dass das im Sinne einer Dysplasie veränderte Oberflächengewebe (CIN) auf minus 20°C gekühlt wird. Das hat zur Folge, dass das Wasser in den Zellen Kristalle bildet und diese Oberflächenzellen zugrunde gehen und die CIN zerstört wird.

Schälkur mit Trichloressigsäure

Trichloressigsäure (TCE) ist eine sehr potente Säure und kann in verschiedenen Konzentrationen verwendet werden. Wenn man TCE auf Körperoberflächen aufträgt, dann gehen die oberflächlichen Zellen zugrunde und Schälen sich ab. Diese Schälkuren werden in der Medizin aber auch Kosmetik seit langem angewendet. TCE liegt in verschiedenen Konzentrationen von 30-iger bis 90-iger Lösung vor. In der Kosmetik werden TCE Schälkuren zum Entfernen von Hornhaut („Peeling“) verwendet. In der Medizin stellen TCE-Schälkuren bei einigen Diagnosen eine Behandlungsmöglichkeit dar. TCE-Schälkuren stellen eine gute Möglichkeit der Behandlung von genitalen Feigwarzen in der Schwangerschaft dar, da TCE für Embryos nicht toxisch ist. Weiters können damit frühe Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome der Haut behandelt werden. TCE-Schälkuren stellen mittlerweile eine der Standardtherapien für Dysplasien (Vorkrebserkrankungen) des Analkanals (AIN) dar.

In meiner Ordination habe ich bereits über 250 Frauen mit Dysplasien des Gebärmutterhalses unterschiedlichen Schweregrades (CIN I bis III) behandelt. Die Behandlung ist im Allgemeinen sehr gut verträglich. Neben Schmerzen (Brennen und Krämpfe der Gebärmutter) tritt selten vorübergehender Blutdruckabfall (Kreislaufschwäche) auf. Patientinnen geben auf der 10 Teiligen visuellen Analogskala (VAS) das Schmerzausmaß der Behandlung im Schnitt mit 3,5 an.

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